#beziehungsweise: christlich und jüdisch – näher als du denkst!

Der biblische Kalender nähert sich dem Höhepunkt. Daran erinnert das Oktober-Plakat der Kampagne, die christliche und jüdische Feste in Beziehung zueinander setzt.
In der biblischen Tradition ist das Laubhüttenfest („Sukkot“ = „Hütten“) unter den drei Wallfahrtsfesten das größte, ausgelassenste und wichtigste. Gegen Ende der Erntesaison, wenn der Ertrag der Felder und Weinberge im Wesentlichen eingebracht ist, wird es Zeit, Danke zu sagen und diesen Dank zu feiern. So was gibt es in den meisten Religionen. Gerade die Ernte macht Menschen bewusst, dass wir unser Leben nicht uns selbst verdanken.

Im biblischen Festkalender wird dieser Erntedank mit noch einer anderen Erfahrung verbunden: der Bewahrung des Volkes Israel in der langen Wüstenzeit (vgl. 3. Mose 23,39-43). Ganz besonders prägend haben sie da erlebt: wir haben das Leben nicht selbst in der Hand. Wenn wir jeden Tag neu Wasser und Essen finden, wenn wir bewahrt bleiben vor den Gefahren, wenn wir den Weg gezeigt bekommen, der unserem Leben Sinn gibt – dann verdanken wir das Gott. Alle miteinander. Darum muss auch das Fest, das hieran erinnert, in riesiger Gemeinschaft gefeiert werden; darum gehört dazu das Teilen. Niemand soll Not leiden, alle sollen sich satt essen und feiern können – ein kleiner Vorschein der neuen Welt Gottes schon heute und hier! In der jüdischen Weise, das Sukkot-Fest zu feiern, leuchtet das eindrucksvoll auf.

Unser christliches Erntedankfest, so denke ich manchmal, könnte von hier aus neue Farbe gewinnen. Auch Jesus erzählt von der Neuen Welt Gottes ja oft im Bild der großen Tischgemeinschaft, in der überraschend auch diejenigen Platz finden, die niemand dort vermutet hätte (z.B. Lukas 14,7-24). Geteilte Freude ist doppelte Freude: das wird an keinem Fest so deutlich wie an Erntedank oder eben: Sukkot.

Manuel Goldmann