#beziehungsweise jüdisch und christlich: näher als du denkst!

Ostern und Passah: an keiner Stelle in unserem Festkalender zeigt sich so deutlich, wie verwandt Judentum und Christentum einander sind, wie bei diesem Höhepunkt des Kirchenjahrs.

Die Einsetzung des Abendmahls, Jesu Leidensweg bis zum Tod am Kreuz und seine Auferweckung durch Gott am dritten Tag – all das stellen die Evangelien in den Rahmen des jüdischen Passah-Festes. Es ist das Fest der Befreiung aus der Sklaverei: Eine der größten Hoffnungsgeschichten, die die Welt dem jüdischen Volk verdankt. Ungezählte Menschen auch aus der Völkerwelt haben sich mit ihrem Leiden und ihrem Vertrauen in dieser Geschichte wiedergefunden. „When Israel was in Egypt’s Land – let my people go! …“ Auch die Konfis haben diesen Hit oft mit geschmettert, jedenfalls in den Jahren vor Corona, als gemeinsames Singen zur Gitarre erlaubt war (möge es bald wieder möglich werden!).

Aber nicht nur die Nähe zwischen Juden und Christen wird an diesem Fest deutlich, sondern auch die Entfremdung. Jahrhundertelang war ausgerechnet der Karfreitag derjenige Tag, an dem Christen die blutigsten Pogrome vom Zaun brachen. Der Tag der Versöhnung der Welt wurde so zum Tag von Hass und Gewalt ausgerechnet gegen die leiblichen Brüder und Schwestern unseres Herrn. Das war nur möglich, weil Christen und Juden viel zu lange fast nur übereinander geredet haben. Hätte stattdessen das Gespräch miteinander Raum bekommen, dann wäre auch ans Licht gekommen, wie viel wir voneinander zu lernen haben, wie viel unsere unterschiedlichen Wege verbindet.

Gerade die Passah- und Osterzeit ist darum Anlass, dies zu entdecken. In diesem Jahr feiern jüdische Gemeinden die Passah-Woche vom 28. März bis zum 4. April. Wer mehr erfahren möchte – von jüdischen und mit christlichen Stimmen – findet Texte, Gespräche und Unterrichtsmaterialien auf der Homepage der Kampagne: www.juedisch-beziehungsweise-christlich.de.

Viel Freude beim Entdecken alter und neuer Verwandtschaftsbeziehungen!

Manuel Goldmann